Dienstag, 27. Dezember 2016

Das große Glück und wie alles begann

Schwanger, der zweite Strich auf dem Test. Ungläubig, irgendwie glücklich, unsicher, "oh mein Gott mein ganzes Leben wird sich verändern..."- waren so meine ersten Gedanken dazu.
Geplant geht anders. Wir hatten zwar darüber gesprochen, aufgehört zu verhüten aber waren uns ziemlich sicher, dass das eh nicht so schnell klappt, wir waren ja noch nicht mal verheiratet... Zu doof, dass das Leben so etwas scheinbar nicht mitbekommt.

Göttergatte war ganz aus dem Häuschen und da wir "wir erzählen aber erst mal nichts" ausgemacht hatten, wurde ganz vertraulich sofort die ganze Familie von ihm informiert. Zum ersten Mal Papa wird man schließlich nur einmal ;-).
Geheiratet musste auch noch werden und neben Hund, Job und Haushalt blieb nicht mehr viel Zeit für die ganze "glowing mum" Sache.

Gefühlt, für mich als unerfahrene Ersti-Schwangere, der größte Schwindel überhaupt, fühlte ich mich doch Tag ein Tag aus mehr wie der Tod persönlich, geplagt von Übelkeit und Erbrechen. Letzteres bis zu 20 Mal am Tag in meinen Spitzenzeiten. Die Versprechungen, dass es ab Woche 12 besser gehen würde,... Pustekuchen, ich habe munter bis zum 7ten Monat durchgereihert.

Die eigentliche Krux an der Geschichte war aber mein eigenes Bauchgefühl. Perse bin ich ein sehr glücklicher Mensch, Familie, eigene Kinder nach wie vor der Traum. Und dennoch stimmte etwas nicht. Meine ehemalige Frauenärztin meinte nur flapsig, dass ich zu wenig Muttergefühle hätte und das auch der Grund meiner Übelkeit sei, ich wäre daher selbst Schuld. Einige werden lachen und denken:" Dann hätteste doch den Arzt gewechselt!". Was soll ich sagen, hätte, hätte Fahrradkette... Jung, unerfahren und vollkommen vertrauensseelig in ärztliche Kompetenzen.

Ich war alle 4 Wochen bei ihr zur Vorsorge und immer war alles super, bei meiner Maus. CTG toll, Ultraschall toll, alles angeblich hervorragend.

Dann kam Woche 32 und mein Alptraum begann.... Sie wog angeblich zu wenig, wäre aber nicht schlimm, im Krankenhaus hätten sie grade eh keine Zeit für eine genauere Pränataldiagnostik. Ich hatte Angst, mein Bauchgefühl war eh schon immer schlecht gewesen und jetzt das.
Am selben Tag bin ich mit Göttergatte in ein Krankenhaus gefahren. Dort zunächst die große Erleichterung, alles sei in Ordnung. Die Worte des Arztes "irgendwo her müssen die Ballerinas schließlich kommen" habe ich immer noch spöttisch im Ohr. Was habe ich mich danach geschämt für mein schlechtes Bauchgefühl...

Durch den Geburtsvorbereitungskurs  versuchte ich mein negatives Gefühl abzulegen, meine Hebamme war toll, meine Übelkeit wurde besser, ich war auf Anraten meiner Hebamme noch in zwei unterschiedlichen Krankenhäusern und auch dort wurde von oben bis unten alles gecheckt. Immer hieß es "zart aber gesund", alles angeblich darstellbar. Ich ging mit Göttergatte zum Babypflegekurs, ich entspannte mich. Nahm Kontakt zu meiner Maus auf, entschuldigte mich, dass ich gezweifelt hatte an ihrer Gesundheit. 34te Woche.
Was konnte mir noch groß passieren.... Ich war vom Gefühl endlich Mama!

Und dann? Ja, dann ist alles zusammen gebrochen. Ich war zum CTG bei meiner Hebamme. Es gefiel ihr nicht und ich sollte am nächsten Morgen nochmal ins Krankenhaus. Ich war so genervt, es war Freitag, ich wollte am nächsten Morgen auf den Wochenmarkt und nicht schon wieder in ein Krankenhaus, ich wusste doch, dass sie zart war, aber selbst der leitende Pränataldiagnostiker für Frühchen und Fehlbildungen hatte nichts feststellen können, mir drei Tage zuvor sogar den 4Kammerblick ermöglicht, auch wenn ich selber nichts erkannt hatte. Ich packte meine Einkaufstaschen, ließ meinen Mann zuhause -war ja schließlich alles gut- und fuhr um 07:00 Uhr los um noch genug Zeit für den Einkauf zu haben. Der Einkauf, der nie stattgefunden hat.

Eine Stationsärztin kam, eine Hebamme schrieb ein CTG. Unauffällig. Die Ärztin wollte dennoch einen Ultraschall machen. Schweigen. Ein unsicherer Blick, ich solle bitte nach unten, sie wäre sich nicht sicher, sie wolle ein besseres Gerät nutzen, die Oberärztin holen.
Dann der Schock, komplexer Herzfehler. Sie wäre sich sicher. Ich hörte nur Glas zerspringen. Ich war im falschen Film, ihr Chef hatte mir doch ein paar Tage davor das Herz gezeigt, ich hatte das Dokument im Mutterpass! Sie musste sich verguckt haben. Dann die Entwarnung, der Herzfehler sei zwar da, er sei komplex aber gut operabel, sie würde mich verlegen lassen, mein Baby würde heute geholt werden.
Mein Mann kam, ich hatte aufgehört zu weinen. Kraft, ich wollte stark sein für mein Schatz. Es würde nicht der Traumstart ins Leben sein, Leistungsportlerin würde sie nicht werden können aber so what. Heute Abend hätte ich mein Baby im Arm, alles was zählt. Die Klinik in der sie geholt werden sollte war zwei Stunden entfernt. Angst, Aufregung, Vorfreude alles gemischt. Ich redete auf der Fahrt mit ihr. Dann waren wir da. Samstag Nachmittag. Sie holten einen Arzt mit Degum III, um vor dem Eingriff alles nochmal zu sehen.

Und jetzt kommt die Frage, die mich verfolgt, die sich in mein Gehirn gebrannt hat mit den darauf folgenden Sätzen:" Waren Sie nie bei einer Vorsorge? Ihr Kind ist mit dem Leben nicht vereinbar. Ich tippe  auf schwere Trisomie 18, wir müssen uns über einen Abbruch unterhalten. "  34te Schwangerschaftswoche....






1 Kommentar:

  1. Das ist ja unglaublich! Ich bin gerade nicht mal traurig, sondern richtig wütend auf die Mediziner.. wie kann das denn sein? Mein Kleiner hatte eine Encephalocele, die in der 19. SSW diagnostiziert wurde. 7 Tage vor der Schockdiagnose hiess es noch: "Alles perfekt und so, wie es sein sollte! " :( Ich fühle mit dir!

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