Samstag, 1. Juli 2017

Dankbarkeit

Es war ruhig hier, aber ich brauchte ehrlich Abstand von allem Online-Gedöns. Instagram, Whatsapp und auch der Blog mussten eine Zeit lang ohne die Muddi auskommen.
Ich war / bin im Urlaub und nun endlich wieder leistungsfähiger. Nicht, dass ich davor irgendwie krank war oder Probleme im klassischen Sinn hatte, aber ich habe die vergangene Zeit doch kräftemäßig gespürt. Die stille Geburt, die intensive Anfangsphase der Trauer, der explodierende Kinderwunsch, man zeige mir die Person, die da mit Leichtigkeit durchhüpft.... Jedenfalls waren wir am Meer und wie ich so auf dem Rücken treibend durch die Wellen dümpelte, überkam mich eine große innere Dankbarkeit. Elfenhaft wie eine planschende Seekuh wurde mir bewusst, was ich dennoch für ein Glück habe im Leben. Ich bin priveligiert. Ich wuchs in einem Land frei von wirklichen Problemen auf, ohne Krieg, ohne Hungersnot. Dafür in Wohlstand, Freiheit und konnte Bildung genießen. Jaaa, genießen, ihr lest richtig, ich war gerne in der Schule, Stundenpläne fand ich klasse. Geregelte Tagesabläufe, Sicherheit, Zugehörigkeit, Freiheit. Und nö, Streber war ich keiner.... Matheabi 2Punkte kann ich da nur sagen... Ups.
Aber weiter in Sachen Dankbarkeit: Da bin ich also, 26, studiert, unabhängig, frei,nicht reich, aber auch nicht arm. Urlaub geht einfach, einfach so. An's Meer fahren ist einfach möglich. Mir geht es gut. So viel besser als einer Menge anderer Menschen. Ich habe eine Tochter, die nicht bei mir lebt, sie ist tot. Okay. Aber dies ist nur ein Puzzleteil meines doch sonst sehr angenehmen Leben. Unsere Wohnung wird nicht zerbombt, Nahrungsknappheit gibt es hier in Deutschland solange ich lebe nicht und ich habe sonst ein gutes Leben, mit vor mir liegenden Möglichkeiten.
Außerdem konnte ich viel lesen im Urlaub, unter anderem über unterschiedliche Arten der Auffassung über den Tod und die auf ewig währende Zusammengehörigkeit von Mutter und Kind, egal wer davon zuerst verstirbt. Ich weiß nun etwa, dass Inder beim Tod eines geliebten Wesen weiß tragen, denn es ist bereits genug Dunkles in einer solchen Zeit. Ich selber habe am Grab meiner Tochter auch kein Schwarz getragen. Ich habe mich so gekleidet wie ich als Mutter für sie sein wollte, wärmend, nah, kuschlig, hell, schön. Also trug ich einen knieumspielenden, schwingenden Rock und einen cremefarbenen Strickpulli mit zarter Spitzen- Applikation an den Schultern. Ich fühlte mich darin wohl, hätte sie darin gerne im Arm getragen, so hatte ich ihre kleine Seele darin eingekuschelt. Der Gedanke bringt mich zum Weinen in diesem Moment doch es ist okay, Tränen sind sowieso immer okay, denn jede Träne zeigt meine Liebe zu ihr und diese Liebe macht mich wiederum glücklich.
Was noch? Was ist mir noch klar geworden? Ich bin sterblich. Nichts, worin ein Herz schlägt, wird die Zeit über dauern. Wir sind endlich und nicht derjenige um dessen Aufmerksamkeit du derzeit buhlst, sei es eine Person, seien es möglichst viele Follower oder was auch immer, wird dir am Ende deines Leben ein Zeugnis ausstellen. Nein, das wird man selbst sein, also kann es einem letztlich egal sein, was andere über einen denken. Für den einen bin ich der Teufel, für den nächsten ein Engel, für mich bin ich eben ich und ich muss, im legalen Rahmen, nur mir selbst zuhören.
Tatsächlich kann ich mich zurück ziehen, wenn ich möchte, dieses Recht nehme ich mir, erst recht als Sternenmama. Denn am Ende des Tages muss ich mit meinen Gedanken einschlafen. Das heißt nicht, dass man egoistisch sein soll, aber wenn etwas die Energie entzieht, dann kann man diesen Kreislauf durchbrechen. Einseitige Beziehungen sind nicht gesund, sondern tödlich, das hat nichts mit Egoismus zu tun sondern mit Selbsterhaltung.
Für mich heißt das, ich bin oft zu nett. Ich bin empathisch, ich spüre was Menschen brauchen. Unsichere Menschen suchen oft meine Nähe, denn ich gebe Kraft und baue auf, kann ich, weiß ich. Ich mache dies zudem gerne. Oftmals entstehen ungeahnte Symbiosen.
Wenn dann jemand jedoch die Grenze nicht kennt, dann gehe ich auf Abstand. Denn für mich muss genug Stärke übrig bleiben. Ich bin kein Wirt für Schädlinge, ausnutzen lasse ich mich nicht und auch nicht überrennen. Ich gebe diesen Leuten die Möglichkeit daraus zu lernen. Entweder sie merken es oder nicht, dass ist aber ihre Sache.
So habe ich mich in mir wieder gefunden. Mitten in den Wellen war ich plötzlich wieder da. Liebes "Ich" herzlich Willkommen, setz dich zu uns in den Stuhlkreis und stell dich bitte vor! Achja, Selbsthilfe zur Selbsthilfe oder so... Versucht es mal, sucht euch, in euch. Stirnlampe auf, Schippe und Seile und dann grabt um euer Leben....;-) Viel Erfolg!!! Dicken Drücker!

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