Mittwoch, 12. Juli 2017

Gedanken rund um anhaltende Schwangerschaftsdemenz

Hirn? Hallooooo? Bist du daaaa? Laut hüpfend und winkend mach ich mein Hirn mal wieder auf mich aufmerksam, also gefühlt, nicht wirklich. Vielleicht sollte ich es mal wirklich laut ausprobieren, vielleicht hört das Teil ja dann endlich mal wieder auf mich...
Seid meiner Schwangerschaft bin ich vergesslich, seit der stillen Geburt wird's peinlich. Es ist als ob mein Hirn selbst entscheidet was für meine Wenigkeit  tatsächlich wichtig ist.
Die Uhrzeit 15:39 zum Beispiel, ja diiiiie ist wichtig für mein Hirn. Keine Ahnung wie oft ich plötzlich mit einem Kloß im Hals da saß obwohl doch eigentlich alles grade gut war. Und plötzlich finde ich alles doof, möchte nachhause und keinen mehr sehen. Pläne werden einfach abgesagt und die Dinge die man zu mir sagt ("Der Rapport muss DRINGEND  raus, mach das bitte SOFORT") hab ich schon vergessen, bevor mein Mann den Mund wieder zumacht, upsiiii..
Freitage,.. sind oft schwierige Tage.. an einem Freitag war der Fetozid.  Mein Hirn hat da seine eigenen Prioritäten, ich bin quasi die Inkarnation der Dreifaltigkeit aus Vergesslichkeit-Dümmlichkeit-Unkonzentriertheit was das betrifft. Neulich bin ich sogar in einen falschen Ort gefahren und habe geflucht wie ein Rohrspatz weil ich die Adresse nicht gefunden habe, die ich gesucht habe. Wild, wie ein hungriger Wombat, habe ich also meinen Mann angemaunzt, dass es die Adresse nicht gibt, ich hier  Doofi-mäßig durch das Kaff gurke und überhaupt alles ganz furchtbar ist (wir Frauen sind wirklich vollkommen zu unrecht als unprofessionell verschrien hahahahaha).
Ihm ist alleine an der Ortsbeschreibung aufgefallen, dass ich im falschen bin, aber was kann ich auch dafür, wenn die beiden Orte nebeneinander liegen und auch noch beide mt M beginnen? Genau - nichts, rien, nada, null, unschuldig wie der Löwenzahn der den Beton gesprengt hat... hat ja schließlich niemand darum gebeten dort zu betonieren, wo das kleine Löwenzahnpflänzlein wachsen möchte...
Spaß beiseite, es ist furchtbar wie vergesslich ich bin. Fast erwarte ich, dass man mich lobt wenn ich mich richtig am Telefon melde. Was soll das? Das war doch früher nicht so, ernsthaft. Ich habe mein Abitur gemacht und studiert! In meinem Job vor der stillen Geburt war ich sogar recht komplex unterwegs und dreisprachig. Das hätte mit Sicherheit nicht hingehauen, wenn ich grad mal erkenne ob es hell oder dunkel ist. Was ist da also passiert? Die Schwangerschaft hat ja nun also vor 10 Monaten seinen Abschluss gefunden, mit Stilldemenz kann ich mich leider nicht rausreden. Im Internet finde ich, natürlich, nichts dazu. Wieso hält das also an? Schutzmechanismus? Aber wäre es nicht sinnvoller, wenn mein Hirn eine partielle Amnesie vortäuscht? Was bringt es mir denn, in der Zukunft Goofy-like durch das Leben zu dummbeuteln? Das Allerschlimmste, Freunde der Sonne, ich kann rein gar nichts dagegen unternehmen! Ich mache Gedächtnistrainig, Sudoku, Meditation, macht Spaß aber bringt nichts, genau so wenig wie mein bisschen Alibi-Yoga.... vermutlich werde ich morgen den gleichen Post verfassen, wäre nett, wenn mich dann jemand darauf hinweisen würde ;-)!
 Wobei, im Ausblenden bin ich im Moment eeeeecht gut, da hol ich mir ein Fleiß-Sternchen nach dem nächsten in mein Sticker-Heftchen ab. Läuft bei mir! Es gibt nichts, was ich nicht ausblenden könnte wenn ich nur will. Buddah ist in mir, ich schwöre es, denn obwohl es mein altes ich nervt, dass ich nicht mehr so ruckizucki unterwegs bin, kommt mein neues ich mit dem Peace Zeichen daher, setzt sich erst mal hin und sagt: Ist doch nicht wichtig, wichtig ist nur, dass du lebst, dass du atmest. Dein Sein wird sich dir nie erklären also nimm dich an."
Ich bin eine seltsame Mischung aus schnarchzapfigem Glückskeks. Vielleicht kann mir ja jemand zu einem großartigen Lotto-Gewinn verhelfen, nett wäre das ja. Dann würde ich einen Hof kaufen für verwaiste, dümmlich gewordene Sternenmamas. Ein Ort wo sie einfach nur sein können, an nichts denken müssen, Essen gibts mit akustischem Signal. Man kann machen was man will, mit der Trauer arbeiten, malen, tanzen, singen, Sport, Gartenarbeit, Kunst.... Ein Ort ohne den finanziellen Druck, der einen zwingt zu funktionieren, bevor man wieder funktionieren will. Wenn das Jahre sind, dann sind es eben Jahre. Die ganze verwaiste Familie kann dort hinkommen und wird geschützt, aufgefangen, aufgehoben. Man hilft sich gegenseitig, denn verstehen tun wir es ja doch nur untereinander, was uns da passiert ist. Niemand ist böse, wenn der andere plötzlich abwesend scheint, sondern empfängt diesen herzlich, wenn er wieder soweit ist um den Kontakt aufzunehmen.
15:40.. mein Hirn schweift ab und ich lasse es mal zu... mein Golstück ruft.
Habt's fein ihr Lieben da draußen, euch vergesse ich zum Glück nie!

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