Freitag, 13. Januar 2017

Trauer eines Papas ohne Baby

Viel zu oft wird vergessen, dass es zu dem toten Baby nicht nur eine Mutter gibt, die alles verloren hat sondern auch einen Papa. Auch dieser hat alles verloren, ist traurig, auch seine Welt ist stehen geblieben.
Das Rollenbild schlägt mit voller Kraft zu, mitten in das trauernde Herz des Papas...
"Wie geht es deiner Frau?", wird fast ausschließlich gefragt. Man ManN soll weiter funktionieren, ist er doch schließlich vom starken Geschlecht. Als ob er sein Baby nicht gekannt hätte, dabei fängt auch die Bindung von Papa zu Baby lange vor der Geburt an.
Nur weil er es nicht im Bauch trägt, heißt es nicht, dass er es nicht schon lange im Herzen trägt. Voller Stolz und Vorfreude!
Bei uns war das "Weitermachen" sogar zwingend für meinen Mann. Er ist selbstständig, hat Mitarbeiter, funktioniert er nicht, funktioniert der Betrieb nicht. Er konnte nicht wie ich wochenlang den Kopf unter die Decke stecken und trauern. Als Arbeitnehmer hat man da vielleicht noch eher die Chance sich wenigstens ein paar Tage krankschreiben zu lassen, unsere "paar Tage" waren aufgebraucht durch alles was davor über uns zusammengebrochen ist, die langen Fahrten in die Klinik und die Geburt selber.
Ich weiß bis heute nicht wie mein Mann so stark sein konnte, aber ich habe sehr viel Respekt vor dieser Leistung und vor jedem anderem Papa der so viel früher in den Alltag zurück gezwungen wird als die dazugehörige Mama.
Was ich aber weiß, ist, dass mein Mann sich zwischen den Terminen und auf Autofahrten in seine Trauer zurück gezogen hat, geweint hat. Für mich war es unendlich wichtig, dass ich weiß, dass er seine Trauer nicht durch Stärke noch weiter verdrängt als er es muss.
Er ist mein Fels in der Brandung, für ihn wollte ich morgens wieder aufstehen, ihm zeigen, dass er sich nicht auch noch um mich Sorgen machen muss. Und doch verstehe ich warum viele Beziehungen scheitern nach dem  Tod eines Kindes. Ich weiß nicht wie gut wir es geschafft hätten, wenn wir nicht zwei tolle Hebammen an der Seite gehabt hätten.
Die wichtigste Lektion in einem Gespräch mit ihr war, dass man den anderen nicht verstehen muss, nur akzeptieren.
Männer trauern anders als Frauen. Anders ist nicht falsch, es ist nur eben anders. Das klingt simple im ersten Moment, aber es ist schwer, wenn man in voller Trauer gefangen ist und nicht verstehen will wieso der andere grade mal nicht weint, wieso der andere grade nicht zu zerbrechen scheint.
Wenn man als Frau heult, die Flut an Tränen nicht mehr aufhört und der eigene Partner scheinbar teilnahmslos daneben sitzt, dann ist es verdammt schwer dies zu akzeptieren. Man sieht sein eigenes Trauern in dem Moment als Maß der Dinge an, als das "richtige" Trauern.
Dass dies eine recht egoistische Sicht der Dinge ist, ist oftmals schwer einzugestehen. Wer kann schon hinter die Fassade des Anderen blicken? Wer sagt dir, dass hinter den scheinbar abwesenden, abweisenden Augen nicht ein zerbrochenes Herz am Boden liegt. Ein Herz, das den Schmerz des Anderen einfach für einen kurzen Moment nicht mehr erträgt, weil es es selber einfach zu voll von Schmerz ist.
Beziehungen sind für gewöhnlich nicht darauf ausgelegt, dass beide am Boden liegen, völlig zerstört sind. Für gewöhnlich ist es wie eine Waage, der eine tariert den anderen wieder aus. Kommt mal was aus dem Gleichgewicht, nimmt der andere so viel Last auf sich, bis wieder Gleichgewicht herrscht und umgekehrt.
Wir haben die Krise zum Glück bewältigt, wie man so schön sagt. Sind näher zusammengerückt, ich würde fast behaupten wir sind gewachsen, stärker geworden. Ich liebe meinen Mann jetzt anders als vorher, sehe ihn mit anderen Auge. Und ich bin ihm dankbar, dass er diese Zeit mit mir durchgemacht hat, eine Zeit in der Weglaufen so viel einfacher gewesen wäre.

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