Freitag, 13. Januar 2017

Wie geht es dir?

Keine Frage ist schlimmer, keine Frage unüberlegter, keine Frage schwerer zu beantworten.
Was soll man den antworten? Was würden sie in meiner Situation antworten?
Wie soll es einem dem gehen wenn das Kind tot ist? Was für eine Antwort wird erwartet.
Soll ich "gut" antworten um meinem Gegenüber ein gutes Gefühl zu geben? Damit dieser beruhigt ist? Schließlich hat man sich ja höflich erkundigt nach dem Befinden. Pflicht erledigt. "Und lass sie bloß mit "gut" antworten...", bettelnde Augen, leere Floskel.
Ich antworte nicht mehr auf diese Frage. Lächle ohne zu lächeln, wer nochmal fragt, den frage ich was ich ihm seiner Meinung darauf antworten soll.
Die ehrliche Antwort wäre:"Es geht mir nicht gut, aber es geht mir auch nicht mehr schlecht, ich lebe eben.", auf diese Frage mit "gut" zu antworten wäre für mich wie "Ich habe den Tod meines Babys vergessen!", aber das kann man nicht vergessen und "Wie geht es dir?", macht den Tod in rasender Schnelle wieder present. Die Frage, wie es einem geht, bringt einen in eine unangenehme Zwickmühle, denn ich bin mir sehr sicher, dass die meisten Menschen gar nicht hören wollen wie es mir wirklich geht. Zu schwer ist der Umgang dafür mit diesem Thema.
Die Unsicherheit der Menschen mit diesem Thema zu groß. Dabei ist es gar nicht so schwer. Mitgefühl statt Mitleid.
Am liebsten sind mir die, die ehrlich sagen, dass sie nicht wissen wie sie damit umgehen sollen, mit mir umgehen sollen, denn dann kann ich sagen, was ich mir wünsche und zwar Normalität und dass man trotzdem an mein Kind denkt. Dass ich nicht will, dass sie wie eine schreckliche Katastrophe ausgeklammert wird, sondern ihr Andenken immer mal wieder kurz ins Leben miteinbezogen wird.
Das man mich nicht immer wie ein rohes Ei behandelt und die eigenen Probleme kleinredet. Ich möchte nicht als Sinnbild für "am schlimmsten" gelten.  Ich möchte nicht, dass ein ganzer Raum plötzlich still ist und betreten auf den Boden blickt weil jemand ""tot"gelacht" gesagt hat. Als ob es in meiner Gegenwart nicht mehr angebracht wäre so etwas zu sagen, den Tod zu erwähnen.
Nur weil mir etwas schlimmes passiert ist, heißt es nicht, dass alles andere nicht mehr zählt. Holt mich raus, wenn ich mich zu sehr verkrieche, bringt mich zum lachen, erzählt mir von euren Sorgen und Problemen, ertragt es wenn ich plötzlich anfange zu weine, seid mit mir albern,... So geht es mir.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen