Montag, 20. Februar 2017

Und immer wenn Zweifel kommen...

Zweifel,.... Plötzlich sind sie da. Hinterlistig, auf leisen Sohlen kommen sie angeschlichen, umkreisen erst dein Herz und dann deinen Verstand. Und auf einmal fragst du dich, ob das alles richtig war, es nicht doch vielleicht alles gar nicht sooooo schlimm geworden wäre. Du vielleicht die eine gewesen wärst, bei der sich plötzlich alles zum Guten gewendet hätte.
Zugegeben, dein Kind hätte Trisomie18 gehabt, aber vielleicht, VIELLEICHT, wäre es ja ein Wunderkind geworden. Vielleicht hätten sich viele Dinge in Wohlgefallen aufgelöst. Das Kind mit Extras, dass alle überlebt, glücklich ist, dies zeigt.
Das Wort "vielleicht", die damit verbundene Gewissheit für immer mit der Ungewissheit leben zu müssen, ist ein mieser  Verräter.
Aber liebe Zweifel, die ihr alles schön reden wollt, ich KENNE den Obduktionsbericht meiner Tochter, aus diesem Grund habe ich überhaupt einen machen lassen. Als ich meine Tochter in ihrer Perfektion sah, wusste ich, dass ihr kommen würdet. Die Zweifel, die Frage ob es richtig war dich in mir töten zu lassen, ob die Diagnose gestimmt hat.
Liebe Zweifel, ja, die Diagnose stimmte und sie hat noch untertrieben. Ich kann das Wort " vielleicht " umdrehen und gegen euch verwenden. Vielleicht wäre alles noch viel schlimmer geworden, vielleicht hätte mein Goldstück noch viel mehr gelitten, vielleicht hätte meine Ehe darunter gelitten, vielleicht hätte ich es nicht verkraftet, vielleicht war es besser so. Ätsch, ich beherrsch dieses perverse Spielchen auch, Ball zurück gespielt.


Kommentare:

  1. Hallo :) Ich habe am 20.12. in der 25. SSW die Geburt unseres Sohnes einleiten. Seine Nieren haben nicht gearbeitet, was in der 22. SSW beim Organscreening festgestellt wurde. Er konnte so kein Fruchtwasser bilden, was für die Lungenreife unabdingbar war und er lag sozusagen auf dem Trockenen. Ich hätte ihn austragen können, aber er wäre unter oder Minuten nach der Geburt gestorben, also erstickt. Klar denke ich mir, dass er jetzt noch in mir drin sein könnte, das erschien mir aber anhand der Diagnose egoistisch. Er hatte ja so schon keinen Platz in mir, da keine schützende Fruchtblase vorhanden war. Und das hat man ihm schon bei der Geburt in dieser relativ frühen SSW angesehen. Deshalb bin ich auch heute noch davon überzeugt, die weniger beschissene Entscheidung für ihn getroffen zu haben. Für meinen kleinen, so sehr herbeigesehnten kleinen Sohn. Er fehlt mir so sehr. Und wir hatten von vorneherein keine Aussicht auf ein gutes Ende. Genauso wenig wie Du auch. Das ist eine individuelle Entscheidung, die jeder so treffen muss, damit man den Rest seines Lebens damit klar kommt.

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    1. Die weniger beschissene Entscheidung, damit triffst du den Nagel auf den Kopf liebe Valerie! Genau das war es!

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    2. Mensch, hab ich da gestern viele Fehler reingehauen. Naja, ich war ziemlich emotional. Hier gibt es kein richtig oder falsch. Für mich hat es sich in dem Moment "richtig" angefühlt, die Schwangerschaft zu beenden. Und ich denke das ist auch der Grund, warum ich überhaupt noch im Leben stehe und es mir relativ gut geht.

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    3. Ach, wer Fehler findet, der darf sie behalten ;-). Mit Tränen lässt es sich halt einfach schwerer schreiben.
      Mir ging es auch so, hätte Hoffnung bestanden hätte ich gekämpft, aber so war es eben mein Weg und der war richtifg, wie bei dir. Ich habe mich übrigens sehr gefreut, dass du deine Geschichte so offen geteilt hast, auch wenn es mir unendlich leid für dich tut :-(!

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  2. Das ist nur mein kleiner Beitrag zu Deinem sehr feinen Blog. Danke, dass Du Dich so öffentlich Deinem Schicksal stellst. Denke auch, dass das sehr hilfreich sein kann und es zeigt, dass unsere Kinder der Welt etwas hinterlassen. Sie waren da und sind nicht vergessen. Niemals. Selbst wenn ich die Zeit zurückdrehen könnte und all den Schmerz auslöschen - ich würde es nicht tun. Denn er ist und bleibt mein Kind...

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