Donnerstag, 9. Februar 2017

Und jeden Monat stirbt sie ein klein wenig wieder

Eigentlich hatte ich über die Menschen schreiben wollen die für mich in der Zeit besonders geworden sind. Besonders wichtig, besonders nah, besonders abstoßend...
Dann habe ich meine Periode bekommen und mein Selbstvertrauen und der Glaube an mich und das alles gut wird, ist wieder schwächer geworden.Ein Gefühl, dass wieder ein Kind gestorben ist, nochmal mein Goldstück gegangen ist, obwohl es ja bloß eine blöde Eizelle war, die es nicht geschafft hat.
In diesen Situationen fühle ich mich wie ein Eisbär. Mein Lebensraum war wie die Arktis. Ich wusste wo mein Zuhause ist, wo ich mein Fressen finde, kannte meine Wege und fühlte mich wohl. Eines Tages brach der Teil mit meinem Zuhause ab, trieb plötzlich auf dem Meer. Ich lernte damit zu leben, die Scholle war noch groß genug, ich hatte Platz. Natürlich war der Abbruch meiner Scholle von der Arktis schlimm, aber immerhin hatte ich noch meine Scholle, es war etwas übrig geblieben. Das Vertrauen, dass die Scholle wieder andockt und festfriert war groß.
Doch die Scholle wird von Monat zu Monat kleiner, längst bin ich viel zu weit weg von der Arktis, treibe auf dem offenen Meer. Ich versuche zurück zu paddeln, will wieder Land sehen, aber ich kann nicht. Mein Leben ist den Strömungen ausgesetzt, ich bin machtlos, versuche Halt auf der immer kleineren Eisscholle zu finden, die mir einst so viel Platz und Sicherheit bot.
Noch finde ich Halt auf ihr, komme auf sie drauf, kann auf ihr stehen. Doch was, wenn sie zu klein wird? Schmilzt, auseinanderbricht? Ertrinke ich dann?
Natürlich bin ich kein Eisbär und ich lebe auch nicht wirklich auf einer Eisschole, aber innerlich geht es mir so. Mit jedem Monat, der vergeht und ich nicht wieder schwanger bin, fühle ich mich wertloser, versagender, ertrinkender.
Niemand gibt mir dieses Gefühl, da bin nur ich mit meinem inneren Selbstbild und bekämpfe mich selber. Raus aus diesem vernichtenden Kinderwunsch, der mir meine Lebenskraft stiehlt, das wäre schön. Entspannt in die Zukunft blicken können, mit dem Urvertrauen, dass schon alles irgendwann gut geht und ich doch jung bin. Aber ich fühle mich alt, entsetzlich alt.
Würde man mich nach meinem gefühlten Alter fragen, würde ich vermutlich 2071 Jahre antworten. Ein Dornröschenschlaf wäre wundervoll, aufwachen und sich fit fühlen, aufwachen und sich wohlfühlen. Nicht aufwachen und hoffen, dass man schwanger ist. Aufwachchen und loslassen, der Zeit die Zügel übergeben und sagen:" Du machst das schon für mich, ich gehe mal schwimmen.". Und wenn man zurück kommt, ist dort eine Insel hinter meiner zu klein gewordenen Eisscholle, schöner als die Arktis, mit dem perfekten Klima, mit allem was ich mir je gewünscht habe. Ich bin gerettet. Das wäre schön.

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