Montag, 6. März 2017

Gegen die Trauer, gegen die Wut

Einen Satz vorweg, bevor es um das Thema der Trauer...bekämpfung(?) geht, da ich doch öfter gefragt werde, ob es da nicht einen bedeutenden Teil gibt, den ich vergessen habe: die Beerdigung.
Nein, vergessen nicht, das wäre schön. Aber es ist ein schmerzhaftes Thema für mich, hat dem ganzen Elend die Krone aufgesetzt und ich bin noch nicht bereit dazu, dies zu veröffentlichen, zu diskutieren. Es hat weh getan. Aber ich werde es versuchen, versprochen. :-)

So viel zu dem EINEN Satz vorweg, gell???
Aber nun zu dem eigentlichen Post-Thema, den Dingen die ich unternommen habe um damit klar zu kommen. Die Diagnose von Goldstück zu verarbeiten und den Fetozid und die Totgeburt zu begreifen, ohne daran kaputt zu gehen.
Der Post zu den Hebammen, dürfte dem schlauen Leser bereits verraten haben, dass der Bezug zu meiner Hebamme und ihre Arbeit an sich eine riesengroße Hilfe war.
Mit Diagnose war sie nicht nur da, um mich aufzufangen, sondern hat auch noch eine zweite Hebamme aus dem Hut gezaubert, die mich einfach nur in meinem Schmerz und meiner Trauer begleitet hat. Die sich von mir hat angucken lassen, ich, die dasaß wie eine Kuh beim Donner, und die ich immer wieder gefragt habe ob ich das Richtige mache. Die es geschafft hat, meine eigenen Gefühle so kontrovers zu diskutieren, dass ich nach dem Gespräch immer einen kleinen blauen Streifen am Horizont gesehen habe. Doch irgendwann hört die Wochenbettzeit auf, erst recht wenn das Baby fehlt (sich wie eins aufzuführen hat da nichts gebracht, ich habe es ausprobiert).
Was danach?
Mein Göttergatte ist zwangsläufig wieder zur Normalität übergegangen, musste dies tun, Selbstständigkeit heißt eben selbst und ständig, er konnte sich schlecht einfach gehen lassen und deswegen musste ich ihm zuhause wieder eine gewisse Stabilität bieten. Das heißt, ich musste nicht, aber ich wollte es. Wer in der Öffentlichkeit funktionieren muss, der braucht einen Ort zum Regenerieren und nicht einen Ort, der ihm zusätzlich die Kraft raubt. Wiederum ist er somit als Therapie ausgefallen, höchstens indem ich ihn als Babyersatz betrachtet habe und ihn so bemuttert habe, dass er mir zärtlich und sehr sensibel mit einem sanften:" ES REICHT!", gezeigt hat, dass er NICHT mein Baby ist und es unserer Ehe nicht soooo gut tut, wenn er plötzlich das Gefühl hat, er küsst seine Mutter beim nachhause kommen.
Also bin ich zu einem Psychiater.
Der Psychiater, hat danach jedoch leider selber vermutlich eine Therapie gebraucht. Ich schwöre euch, wenn einem der Psychiater sagt:" Oh Gott,... oh Gott,... wenn sie vergewaltigt worden wären,... dann wüsste ich was ich ihnen anbieten könnte,..... aber... oh Gott... das ist ja absolut grausam, sie sind ja auf Stufe eines Kriegstraumas traumatisiert!", dann fühlt sich das doch irgendwie seltsam an. Ich jedenfalls hatte das Gefühl ich müsste den Psychiater trösten und habe dann dummes Zeug geplappert, dass es ja gar nicht sooooo schlimm alles war.
Auf zum nächsten, doch der war ein, entschuldigt die Wortwahl, Trottel. Wer mir, nachdem ich ihm sage, dass wir bereits wieder (oder immer noch?) Kinderwunsch haben, Medikamente und Psychopharmaka  verschreibt, bei dem als häufige Nebenwirkung erhöhtes Fehl- und Frühgeburtsrisiko, Totgeburten und Miss-sowie Fehlbildungen steht, der hat sie doch nicht mehr alle. Zuhören wäre wohl als Psychiater empfehlenswert... er hat mich jedenfalls nicht wieder gesehen.

Was mir rasend schnell geholfen hat, ist die Akupunktur. Ein paar Mal und aus Trauerklöpschen wurde Strahlemops (die Babykilos hängen eben an mir, dadurch das ich nicht stillen konnte).
Aber ehrlich, die Akupunktur ist der helle Wahnsinn, es piekst und ich quieke mitunter ab und an wie ein Ferkel, aber ich fühle mich sauwohl. Endlich! Auf körperlicher sowie auf geistiger Ebene fühle ich mich wie neugeboren. Ein Welle der Zuversicht hat mich überkommen und ich bin nur noch sehr selten mal traurig und wenn, dann auch nur sehr kurz. Nicht, dass ich mein Goldstück vergessen würde, aber ich integriere sie nun einfach in mein Leben.
Mäusekind gehört eben dazu, ich bekomm schon irgendwie ein Geschwisterchen für sie gebastelt und ich denke gerne an sie, aber eben  nicht mehr tief trauernd, sondern stolz. Ein Hoch auf meinen Heilpraktiker, der mich mit seinen Nadeln kreuz und quer durchbohrt und dabei jedes Mal  ins Schwarze trifft.
Und es gibt die kleinen Dinge nebenher die mir gut  tun. Schwimmen gehen, essen gehen, einen Bald-Mama-Tee aus dem Bioladen, harmonisierende, wunderbar duftende Körperöle, ein neues Kleid, eine Schaumbadewanne, ein gutes Buch lesen und mein wunderbarer, mein toller, mein lieber Hund.  Mit ihm spazieren gehen, ihn anzugucken wie er sich abends auf der Couch an mich kuschelt, kleine Seelenmassagen für zwischendurch.
Einen Teil macht vielleicht auch meine innere Lebenseinstellung aus, ich werde unterm Strich aus der Sache mit einem Plus gehen, davor höre ich nicht auf. Ich kann nur jeder Sternenmama und jedem Sternenpapa raten,  tut euch was gutes! Ihr werdet etwas finden, dass euch den kleinen Schubs zurück ins Glück gibt. Mal dauert es länger, mal geht es schneller, aber es wird kommen, selbst wenn es im Moment nicht danach aussieht. Wie hat die ein Blonde von ZDF immer gesagt? Alles wird gut!

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