Mittwoch, 1. März 2017

Hebammen, die heimlichen Helden

Wo ich ohne meine Hebamme heute wäre weiß ich ehrlich gesagt nicht.
Manchmal muss man auch Glück im Leben haben. Das hatte ich definitiv, als ich in der Frühschwangerschaft meine Hebamme kennen lernte. Ich wusste, dass Hebammen schwer zu kriegen sind und man sich früh darum kümmern muss. Als ich in der 8./9. Woche bei meiner den Versuch startete, da war sie eigentlich schon voll. Aber es hat sofort gepasst zwischen uns, wie die Faust auf's Auge, also hat sie mich noch mit reingenommen und ich glaube, dass das meine Rettung war.
Sie hat mich durch alles durchgeboxt, war da, hat sich gekümmert, hat meine Tränen getrocknet und hat mir eine zweite Hebamme, die große Erfahrung in der Trauerbegleitung hat, mit an die Hand gegeben als klar war, dass mein Goldstück krank ist und diese Welt nicht lebend erblicken wird.
Meine Hebamme, diese unfassbar tolle Frau, die selber Mama von 3 Kindern ist, darunter Zwillinge von grade mal ein paar Monaten, hat eine unglaubliche Stärke gezeigt. Sie ist zierlich, klein, sieht recht jung aus, ein Lockenkopf. Steht absolut im Leben, eine echte Powerfrau und doch so empathisch, ich weiß wirklich nicht wie man so ein toller Mensch wird.
Hebammen sind so viel näher am Leben als irgendein anderer, im wahrsten Sinne des Wortes und ihre Erfahrung ist mit Gold nicht aufzuwiegen. Doch ausgerechnet diese Frauen werden entsetztlich schlecht bezahlt und haben große Probleme mit ihren Versicherungsprämien. In Deutschland steht jeder Schwangeren und frisch gebackenerMama eine Hebamme zu, doch warum macht man ihnen dann ihre Arbeit so schwer? Honoriert diese nicht angemessen? Eine Frage die sich zweifelsohne noch auf viele andere Arbeiten beziehen lässt, leider.
Doch Hebammen sind eine besondere Schnittstelle, meine Hebamme war es, die GEFÜHLT hat, dass mit meinem Goldstück etwas nicht stimmt. Nur über ihre Hände hat sie mehr "gesehen" als alle anderen zusammen, hatte, wie sie mir später erzählte, früh den Verdacht auf Trisomie21. Ebenso wie ich, hatte sie auch das Gefühl "etwas stimmt nicht". Sie hat mich als Einzige ernst genommen und ihr Können gezeigt wo alle Ärzte versagt haben.
Sie hat mein Goldstück fast so lange gekannt wie ich, auch für sie bedeutete es Schmerz und Trauer, als ich sie verloren habe. Hat man eine Hebamme hat man so etwas wie eine "Schwangerschaftsfreundin".  So habe ich es zumindest gefühlt und als die Wochenbettbetreuung zuende war, war das extrem schlimm für mich, ich wollte sie nicht hergeben.
Es war ein Verlust, denn sie hat mich am Anfang dazu gebracht mir die Haare zu waschen, aufzustehen, etwas zu essen. Ich war das Baby um das es sich zu kümmern galt, weil ich selber keins mehr hatte.
Sie war es auch die mich das erste Mal zum Lachen über meine eigene Situation gebracht hat, denn es war einfach erbärmlich, wie ich mich versucht habe zusammen zureißen und kläglich daran gescheitert bin. Aber sie war wie eine Mama und ich wie ein Baby, das grade versucht aufzustehen und immer wieder hinfällt. Statt panisch zu mir zulaufen, weil ich auf meinem Hosenboden gelandet war, statt in den Stand zu kommen, hat sie gelacht und mich aufgemuntert es nochmal zu probieren, solange bis ich stand. Sie hat mir Vetrauen in mich gegeben, als ich jedes Vertrauen in mich verloren hatte. Der Gedanke versagt zu haben, wenn das Baby tot ist, den kennt wohl jede Sternenmama.
Hebammen sind die Personen, die den richtigen Abstand zur Nähe haben. Natürlich haben wir eine tolle Beziehung, aber letztendlich hat sie bei mir "nur" ihren Job als Hebamme gemacht und das hochprofessionell.
Freunde und Bekannte hatten, Gott sei Dank, keine Erfahrung darin, wie man mit mir umgeht. Wenn ich in den ersten Wochen heulend zusammen gebrochen bin, mich vor der Welt versteckt habe, keinen mehr an mich gelassen habe, war sie diejenige mit der Erfahrung, die kam und mich versorgte.
Hebammen sind das unterschätze, mitunter wertvollste Gut das unsere Gesellschaft besitzt. Deine Hebamme bringt dir den Umgang mit deinem Kind bei, sie ist die Erste am Kind, die für die Mutter vermutlich prägendste Person, grade beim ersten Kind.
Ich hoffe, dass sich die Wertschätzung und die Honorierung irgendwann danach richtet was eine Person in der Gesellschaft leistet, Hebammen hätten allemal das Gehalt eines Topmanagers verdient! Ich kann nur jeder unter euch raten, egal was ist, sobald ihr erfahrt,dass ihr schwanger seid, sucht euch eine Hebamme! Nicht immer liegt man auf einer Wellenlänge, dann hat man noch Zeit sich bei einer anderen Hebamme vorzustellen. Die Hebamme ist, meiner ganz persönlichen Meinung nach, das Wichtigste in und nach einer Schwangerschaft. Niemand weiß was besser für dich und dein Baby ist, als deine Hebamme, niemand hat mehr Erfahrung als sie und niemand kennt die Einheit aus euch, Mama und Baby, in den meisten Fällen länger.

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